Querverweise


  1. Aérospatiale-British Aircraft Corporation

Aérospatiale-British Aircraft Corporation Concorde Musterbeschreibung


Verwendung: Zivil
Die Aérospatiale-BAC Concorde (französisch „Eintracht, Einigkeit“) war ein Überschall-Verkehrsflugzeug für den Personenverkehr. Die Flugzeit über den Atlantik zwischen Paris bzw. London und New York betrug etwa 3 bis 3,5 Stunden, die Flughöhe lag bei 15 Kilometern nach dem Start und stieg danach sukzessive auf 18 km.

Die Concorde wurde von der französischen und britischen Luftfahrtindustrie auf Basis eines Regierungsabkommens vom 29. November 1962 gemeinsam entwickelt und erreichte maximal Mach 2,23 (2.405 km/h). Sie war eine Parallelentwicklung zu der sowjetischen Tupolew Tu-144. Die Zelle wurde von Aérospatiale (heute EADS) und der British Aircraft Corporation (heute BAE Systems) entwickelt und gebaut, das Triebwerk Olympus 593 von Rolls-Royce (Bristol Siddeley) und SNECMA.



Die Concorde wurde nach 15-jähriger Entwicklungszeit 1976 in den Liniendienst gestellt. Sie wurde in der Presse vielfach als die „Königin der Lüfte“ bezeichnet. Bis zum Absturz einer Concorde am 25. Juli 2000 kam es in ihrer 27-jährigen Dienstzeit nicht zu größeren Unfällen oder Problemen.

Geschichte
Die Concorde wurde in den sechziger Jahren entwickelt und weckte großes Interesse bei den Airlines dieser Zeit. 1967 bestellte auch die Deutsche Lufthansa drei Maschinen. Nicht zuletzt wegen einer erheblichen Anzahl von Bestellungen aller namhaften Airlines wurde die Entwicklung der Concorde von den beiden beteiligten Staaten Großbritannien und Frankreich freigegeben.



Überschallflugzeuge haben sehr hohe Betriebskosten, darum wurden sie für die kommerzielle Luftfahrt uninteressant, besonders nach der Ölkrise in den frühen 1970er Jahren. Das schnelle Fliegen ist ein teurer Luxus. Die US-Bundesluftfahrtbehörde FAA verbot anfangs zudem mit Wirkung vom 27. April 1973 das Überfliegen des Hoheitsgebietes der USA mit zivilen Überschallflugzeugen. Alle Bestellungen, unter anderem von Pan American World Airways, Trans World Airlines und Japan Airlines wurden storniert.

Lediglich Air France und British Airways mussten die Concorde abnehmen. Vor der Katastrophe im Juli 2000 erzielten sie auf den zuletzt ausschließlich geflogenen Routen Paris/London – New York deutliche Gewinne. Ende der 1970er Jahre flog die Concorde in Zusammenarbeit mit British Airways auch auf den Strecken von zwei weiteren Fluggesellschaften, nämlich Singapore Airlines (British Airways) und Braniff International Airways (Air France). Eine Maschine trug auf ihrer Backbordseite die Bemalung von Singapore Airlines. 1979 wurde der Bau der Concorde nach zwei Prototypen, zwei Vorserienmodellen und 16 Serienflugzeugen eingestellt.



Zu Beginn ihrer Einsatzzeit flog die Concorde auch nach Rio de Janeiro und Singapur, letztendlich blieb aber nur der Linienbetrieb zwischen Paris bzw. London und New York übrig: Zum einen war die Reichweite der Concorde mit rund 6000 Kilometern für längere Non-Stop-Flüge zu klein, zum anderen bekam die Maschine auf vielen Flughäfen keine Landegenehmigung, weil sie zu laut war. Im Charterbetrieb flog die Concorde (meist aus Prestigegründen) auch andere Flughäfen an.

Diverse weltweite Ziele hatte die Concorde nur in den 70er und frühen 80er Jahren. Später gab es nur noch die zweimal täglich durchgeführten Linienflüge zwischen London bzw. Paris und New York sowie den immer samstags stattfindenden Flug zwischen London und Barbados (letztmalig am 13.August 2003).



Im Sommer 2000 wurden darüber hinaus auch Concorde-Flüge zwischen New York und Barbados angeboten, die ebenfalls immer samstags stattfanden. Jedoch wurden diese Flüge nach dem Absturz in Paris und der späteren Wiedererteilung der Flugtauglichkeit nicht wieder aufgenommen.

Verdacht auf Industriespionage
Das russische Gegenstück zur Concorde, die Tupolev Tu-144, ähnelte in Auslegung und Leistung der Concorde sehr und wies ebenfalls ein ähnliches Tragwerk mit hinten gruppierten Triebwerken sowie eine absenkbare Nase auf, welche die Sicht der Piloten im Landeanflug verbesserte. Diese Ähnlichkeiten veranlassten westliche Medien zu Gerüchten über mögliche Industriespionage und verpassten der Tupolew Tu-144 den Spitznamen Konkordski.

Diese Vorwürfe konnten allerdings nie bestätigt werden, zumal der Jungfernflug des aerodynamisch allerdings nicht ausgereiften Tu-144 Prototyps (Kennung 68001) am 31. Dezember 1968 noch vor dem der Concorde (März 1969) stattfand. Außerdem können die Ähnlichkeiten daher kommen, dass die Erbauer vor denselben technischen und aerodynamischen Problemen standen. Spätere Versionen der Tu-144 wiesen allerdings wie die Concorde zwei getrennte Triebwerksgondeln mit je zwei Triebwerken auf. Bemerkenswert ist aber auch, dass auf sowjetischer Seite ähnliche Vorwürfe gegenüber dem Westen gemacht wurden.

Das "Ende" der Concorde
Das Ende der Concorde nahte mit dem Absturz der Maschine F-BTSC am 25. Juli 2000: Beim Start des Air-France-Fluges 4590 auf dem Flughafen Paris-Charles de Gaulle wurde ein Reifen von einem auf der Startbahn liegenden Metallteil zerfetzt, das vom Triebwerk einer kurz vorher gestarteten DC-10 der Continental Airlines abgefallen war.

Hochgeschleuderte Gummiteile des platzenden Reifens durchtrennten ein stromführendes Kabel des linken Hauptfahrwerks, bevor sie mit großer Wucht auf die Unterseite der linken Tragfläche aufschlugen. Diese Teile durchschlugen jedoch nicht die Tragfläche, sondern verursachten durch die hohe Aufprallgeschwindigkeit eine Druckwelle im Tank, die zu einem Leck an der Tragfläche führte. Der auslaufende Treibstoff entzündete sich am erwähnten Kabel und am direkt daneben laufenden Jet-Triebwerk und setzte den Treibstofftank der linken Tragfläche in Brand.

Ein Startabbruch war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich, da die Maschine bereits die Entscheidungsgeschwindigkeit erreicht und bei einer Notbremsung das Ende der Rollbahn überschritten hätte. Den von Tower und Instrumenten alarmierten Piloten blieb als einzige Option der Versuch einer Notlandung auf dem nur 8 km voraus liegenden Flughafen Le Bourget. Aufgrund der Schäden an Tragflächen, Ruderflächen und Triebwerken war die Maschine nicht mehr steuerbar und schlug rund eine Minute nach dem Start auf dem Parkplatz eines Hotels in Gonesse auf. Alle 109 Menschen an Bord und vier Bewohner des Hotels kamen ums Leben.

Ermittlungen ergaben, dass ein ähnlicher Schaden an einem anderen Verkehrsflugzeug ebenfalls zum gleichen katastrophalen Ausgang geführt hätte. Die Ermittlungen betreffend der ursächlichen Schuldzuweisung dauern an.

Gerüchtehalber sollte der Reifenschaden auch von einer Überhitzung herrühren, die durch eine Spurabweichung der Räder im linken Fahrwerk entstand. Bei der letzten Wartung des Fahrwerks war ein Bauteil (spacer) nicht wieder eingebaut worden, so dass das linke Hauptfahrwerk beim Startvorgang nicht mehr parallel zur Längsachse der Flugzeuges ausgerichtet gewesen sein könnte.

Die Air France stellte daraufhin den Flugbetrieb der Concorde ein, die britische Flugaufsicht entzog der Concorde die Flugtauglichkeitsbescheinigung, die sie erst nach zahlreichen Konstruktionsänderungen wieder erlangte. Insbesondere entwickelten die Briten eine Verstärkung der Tanks aus eingelegten Matten, bestehend aus Kevlar, während der französische Reifenhersteller Michelin einen stabileren Reifen entwarf, der nun auch beim Airbus A380 zum Einsatz kommt. Durch diese Veränderungen, die rund hundert Millionen Euro gekostet haben sollen, wurde die Concorde kaum schwerer (BA entwickelte neue, leichtere Passagiersitze, zudem wurde die maximale Passagierkapazität geringfügig verringert).

Am 7. November 2001 wurde der Linienbetrieb zwischen Paris bzw. London und New York wieder aufgenommen. Aufgrund ausbleibender Passagiere und neuer Sicherheitsmängel erklärten Air France und British Airways jedoch am 10. April 2003, dass der Linienflugbetrieb mit der Concorde im Laufe des Jahres 2003 eingestellt wird, wobei auch nicht zu vernachlässigen ist, dass der Ersatzteilehersteller EADS die Preise für die Ersatzteile den tatsächlichen Kosten anpassen wollte. Der letzte Flug einer Air-France-Concorde fand am 27. Juni 2003 statt, British Airways beendete die Concorde-Flüge am 24. Oktober 2003. Der allerletzte Concorde-Flug, mit der Maschine der Kennung G-BOAF, fand am 26. November 2003 unter Leitung von Chefpilot Mike Bannister von London-Heathrow zum Luftfahrtmuseum in Filton statt.

Bedeutung der Concorde für die Luftfahrt
Die Entwicklung der Concorde wurde ausschließlich durch die staatliche Finanzierung der hohen Entwicklungskosten ermöglicht. Im laufenden Betrieb flog die Concorde nur teilweise Gewinne ein. Neben den Rekordleistungen, die durch Überschallflüge erzielt wurden, ist vor allem der Fortschritt, der in der Luftfahrttechnologie durch die Entwicklung der Concorde und auch der Tu-144 erzielt wurde, so bedeutend, dass bis heute alle Flugzeughersteller hiervon profitieren.


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