Querverweise


  1. Boeing

Boeing 707 Musterbeschreibung


Verwendung: Zivile und militärische Verwendung
Die 707 ist ein vierstrahliges Standardrumpfflugzeug welches von Boeing in den frühen 1950er Jahren entwickelt wurde. Es war das erste von Strahltriebwerken ausgestattete Passagierflugzeug aus amerikanischer Produktion und revolutionierte zusammen mit der nur unwesentlich später indienstgestellten Douglas DC-8 den weltweiten Luftverkehr.

Obwohl sie nicht der erste Passagierjet war, war die Boeing 707 doch der erste kommerziell erfolgreiche. So dominierte sie den Luftverkehr in den gesamten 1960er Jahren und war auch in den 1970ern noch sehr verbreitet. Das "Jet Zeitalter" im zivilen Luftverkehr wurde durch dieses Flugzeug (wesentlich) miteingeläutet.



Geschichte
1. Vorgeschichte
Die Entwicklung der 707 durchlief zahlreiche Wendungen. Während zu Beginn der 1950er Jahre in Großbrittannien mit der de Havilland DH 106 Comet bereits erste Düsen betriebene Verkehrsflugzeuge in Dienst gestellt wurden, drohten die USA in diesem Bereich in das Hintertreffen zu kommen. Zwar gab es beispielsweise mit der Boeing B-47 oder der B-52 bereits große strahlgetriebene Flugzeuge aus amerikanischer Produktion, allerdings nur zur millitärischen Verwendung. Gründe hierfür waren z. B. der sehr hohe Treibstoffverbrauch sowie mangelnde Infrastruktur. Denn solche Flugzeuge benötigen (aufgrund der wesentlich höheren Geschwindigkeit) wesentlich längere und besser ausgebaute Landebahnen.

Um allerdings ebenfalls in die Domäne der Düsenverkehrsflugzeuge einzudringen, begann Boeing 1949 mit Arbeiten an einer Weiterentwicklung der Boeing 367 (militärisch: C-97). Es war geplant das Flugzeug unter der Bezeichnung 367-40 mit Strahltriebwerken auszurüsten und als Transporter, Tanker und Passagierflugzeug anzubieten. Beibehalten werden sollte zunächst der charakteristische Rumpfquerschnitt welcher einer 8 ähnelte.



2. Entwicklung des Prototypen (Boeing 367-80)
Im Laufe der Entwicklungsarbeiten wandelte sich der Entwurf drastisch, so dass das Flugzeug letztlich nicht mehr als 367-40, sondern als 367-80 bezeichnet wurde. 1952 gab Boeing bekannt, die Entwicklungen, da noch kein Kunde gefunden wurde, auf eigene Kosten fortzusetzten. Diese beliefen sich auch 16 Millionen US-$, was inetwa der Hälfte des damaligen Umsatzes von Boeing entsprach.

Das Rollout fand dann weniger als zwei Jahre später in Seattle statt, gefolgt vom Erstflug des Prototypen am 15. Juli 1954. Auf den Tag genau 38 Jahre nach der Gründung von "The Boeing Company". Mit der ursprünglichen 367 hatte dieses Flugzeug jedoch nicht mehr viel gemeinsam. Die charakteristische Rumpfform wurde durch eine neue, aerodynamischere Außenhaut verdeckt, besitzt ein völlig neues Leitwerk sowie neue Tragflächen mit vier Strahltriebwerken.



Knappe drei weitere Monate später bekam Boeing dann auch endlich den ersten Auftrag für das neue Flugzeug: Die US Air Force bestellte 29 als KC-135 bezeichnete Tanker auf Basis der 367-80, Knapp ein Jahr später bekam Boeing dann die Erlaubnis das Muster auch für zivile Zwecke verkaufen zu dürfen und entwickelte es nochmals weiter. Hieraus entstand dann die heutige 707.

3. Wandlung zur letztendlichen 707
Da bei Recherchen seitens Boeing bei den damaligen großen Airlines herauskam, dass diese die Kabine des Flugzeuges als zu klein betrachteten, entschied sich Boeing diese zu verbreitern. So wurde der Rumpfdurchmesser, als Kompromiss zwischen den Wünschen der USAF und den Airlines, zunächst um 11 cm erhöht. Ebenfalls vergrößert wurden die Tragflächen.



Dennoch verliefen die Verkaufsgespräche eher zäh. Dies lag an zahlreichen Faktoren: Zum einen war der Preis von 4,5 Mio. US-$ relativ hoch, zum anderen war das Image von Verkehrsjets aufgrund zahlreicher Abstürze de Havilland DH 106 angeschlagen. Aufgrund der erfolgreich fliegenden russischen Tupolow Tu-104 hingegen, sahen sich die amerikanischen Airlines mit der Zeit aber dann doch gezwungen dem Trend hin zu Strahlflugzeugen zu folgen. So wurden die Pan American World Airways am 13. Oktober 1955 der Erstkunde der 707.

Da sich die zur selben Zeit in Entwicklung befindliche Douglas DC-8, mit einem breiteren Rumpf, allerdings besser verkaufte, entschloss man sich bei Boeing letztendlich den Rumpf erneut zu verbreitern. Diesmal um 12 cm auf nun 3,76 m. Dies war aufgrund der Tatsache, dass diese erneute Verbreiterung von der USAF nicht akzeptiert wurde eine sehr teure Entscheidung. So mussten von diesem Moment an, die Flugzeuge der (K)C-135 Baureihe und die 707 auf unterschliedlichen Fertigungslinien gebaut werden. Dennoch sollte sich diese Entscheidung später auszahlen, denn langfristig wurde die 707 kommerziell wesentlich erfolgreicher als die DC-8.

4. Erstflug und danach
Bereits zwei Monate nach dem Roll-out fand am 20. Dezember 1957 der Erstflug der "endgültigen" 707 statt. Nachdem sie dann im September 1958 die Zulassung der amerikanischen Luftfahrtbehörde erhalten hat, nahm Pan Am bereits Ende 1958 den Linienflugbetrieb auf der Strecke New York - Paris auf. Da die 707 für eine solche Strecke eigentlich gar nicht ausgelegt war, musste in Neufundland zwischen gelandet werden. Dies war allerdings nicht der erste Linienflug mit Strahltriebwerken über den Atlantik. Dieser wurde zwei Tage zuvor von der britischen Gesellschaft BOAC durchgeführt.

Da die Flugstabilität zu beginn nicht zufriedenstellend war, wurden ab Oktober 1958 alle neu produzierten - und fast alle bereits ausgelieferten ebenfalls - mit einem längeren Seitenleitwerk sowie einem zusätzlichen "Leitblech" unterhalb des Leitwerkes ausgerüstet.

Die Produktion der 707 wurde nach 1.010 Einheiten im Jahre 1978 eingestellt. Ihre militärische "Schwester" C-135 wurde noch bis 1991 gebaut.